Die Poesie des Nützlichen

 

Die Idee eine Vase aus Glas herzustellen, war für mich die logische Folge meiner jahrelangen Arbeit als Keramikerin. Diesem Werkstoff – welchem in der Keramik eine überwiegende Schutzfunktion zu kommt, der Glasur – die Hauptrolle zu geben.

Glasuren bestehen wie Glas aus Mineralmehlen – Quarzsand, Soda, Feldspat, Kalk, Pottasche – und schützen Gefäße wie eine Haut vor Wasser und mechanischen Einflüssen.

 

So machte ich mich an die Entwicklung von Prototypen und auf die Suche nach einem Ort für die Umsetzung meines Projekts.

2018 war es dann soweit, die ersten Unikate wurden auf der Insel Murano in Zusammenarbeit mit einem dort ansässigen Glasbläser geblasen. 

 

Durch meine afrikanischen und deutschen Wurzeln, vielen Reisen nach Westafrika und meinem Leben in Berlin habe ich mir eine eigne Formensprache angeeignet.

Eine Mischung aus diesen Kulturen prägt meine Ästhetik. Ich suche nach einer Ausdrucksweise, die europäische Strenge mit afrikanischer Farbigkeit verbindet. 

Mein Ziel war es Vasen herzustellen, die Poesie in den Alltag bringen. Nützlich sein können und funktionieren, aber nicht müssen.

 

Bei der Umsetzung meiner Idee verbinde ich solides Handwerk und Kunst so miteinander, dass Objekte entstehen, welche sinnlich, funktional, schön und einzigartig sind.

 

Die entstandenen Unikate schweben zwischen elegantem und leicht verspielten Aussehen, opulente Farben stehen ebenso im Gegensatz zu strengen Formen, wie optische Leichtigkeit zum tatsächlichen Gewicht.

 

Ich habe bei diesen Vasen eine sehr alte Technik der Glasblaskunst

– Bullicante –  aufleben lassen. Bei dieser Technik werden Luftblasen mittels eines Metallstabes in den Glasrohling eingebracht, welche anschliessend wieder mit Klarglas überzogen werden. Diese Luftblasen verleihen den Objekten eine optische Leichtigkeit, die optische Erscheinung weicht erheblich von der physischen Realität ab.

Normalerweise bringt der Glasbläser nur sehr kleine Mengen Luft in regelmässigen Abständen in das Objekt ein, ich hingegen möchte Objekte entstehen lassen, welche durch sehr große, unregelmässige  Lufteinschlüsse ein ungewohntes und modernes Aussehen bekommen.

 

Diesen großen Luftblasen setze ich satte Farben wie grün und lila entgegen.

Der Herstellungsprozeß dieser Vasen war mit einigen technischen Schwierigkeiten verbunden, dem fertigen Produkt sieht man dies nicht an.

 

 Jeanne Maddy, Berlin  2019